Lars Eidinger als Jedermann bei den Salzburger Festspielen 2021
Lars Eidinger als Jedermann bei den Salzburger Festspielen 2021. Foto: SF/Matthias Horn

Jedermann 2021

Freitag Abend (16.07.2021) war öffentliche Generalprobe des Jedermann 2021 der Salzburger Festspiele. Auftakt und seit 1920 zentrales Stück der Salzburger Festspiele um das Sterben des reichen Mannes.

Es war die vierte Auflage in Folge unter Regisseur Michael Sturminger, die wetterbedingt im Großen Festspielhaus stattfinden musste. Max Reinhardt hatte das Stück von Hugo von Hofmannsthal 1920 für den Domplatz konzipiert. Es sollte ein Stück für die ganze Stadt sein, ein Stück um Kirche und Mönche, Mittelalter und Barock, Musik und Theater – unter freiem Himmel. Am Freitag Abend fanden sich über 2000 Gäste in der Hofstallgasse ein. Das imposante Große Festspielhaus war fast komplett gefüllt. Die Erwartungen waren hoch, schließlich handelte es sich in diesem Jahr um eine komplette Neuinszenierung, auch wenn die Salzburger Festspiele auf ihrer Website den diesjährigen Jedermann zunächst als Wiederaufnahme führten.

Doch davon konnte keine Rede sein, wie auch Lars Eidinger im Podcast „Jederspiele“ der Salzburger Nachrichten betonte. Fast alle Rollen wurden neu besetzt, darunter der Jedermann mit Lars Eidinger und die Buhlschaft mit Verena Altenberger. Aber auch das gesamte Bühnen-Setup des Ensembles unterschied sich deutlich vom Jedermann 2020. War die Garderobe im Vorjahr noch vergleichsweise konventionell bis elegant, sind die Charaktere dieses Jahr ein bunter, teils schriller Mix aus allen erdenklichen Moden der Zeitgeschichte. Und auch Nacktheit wurde zelebriert. So sorgen Lars Eidinger und auch Verena Altenberger für sinnliche Momente, Und auch Mirko Kreibich als Schuldgesell kann man durchaus als Eyecandy bezeichnen.

Spannend auch die Rolle des Tod, in diesem Jahr von Edith Clever gespielt. Ich habe mich beim ersten Auftritt des Tod gefragt, „Wieso ist der Tod eine Frau? Das kann irgendwie nicht sein“. Auch die Rolle von Gott ist weiblich besetzt. Diese Besetzungen stellen Konventionen mit äußerst einfachen Mitteln in Frage. Und befeuern die Auseinandersetzung mit zentralen Themen des Jedermann um Schuld und Abhängigkeit, Gier und Habsucht, Angst und Tod.

Bei der Beschäftigung mit all diesen Fragen wird deutlich, dass der diesjährige Jedermann definitiv eine Neuinszenierung ist und keine reine Wiederaufnahme. Regisseur Michael Sturminger bezeichnete seine nunmehr 5-jährige Arbeit am Jedermann als Baustelle. Auf dieser Baustelle hat er in diesem Jahr mit dem ganzen Ensemble vermutlich den größten Veränderungsschritt bisher getan. Eine Baustelle schafft Veränderung und die diesjährige Veränderung ist spannend gelungen. Lars Eidinger gibt dem Jedermann eine neue Richtung.

Das Fest zur Festspieleröffnung hat heute (18.07.) stattgefunden. Bis 31. August werden nun wieder Oper, Schauspiel und Konzerte aufgeführt. Der Trailer gibt eine stimmungsvolle Annäherung an das weltweit führende Festival für klassische Musik und darstellende Kunst. Das vollständige Programm auf der website der Salzburger Festspiele.

Veröffentlicht 18. Juli 2021
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