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Das war der CSD Salzburg 2021

2800 Teilnehmer an der diesjährigen Salzburger CSD-Parade. Das ist glatt eine Verdoppelung zum Vorjahr. Das ist cool. Und so wichtig. Gerade in der heutigen Zeit. Aber der Reihe nach.

Freitag Abend kamen ab 18 Uhr immer mehr Leute zum Lokal der HOSI Salzburg in der Gabelsberger Straße, um den diesjährigen CSD offiziell zu eröffnen. Mit Regenbogenmarkt. Und Drag Bingo mit Gigi LaPajette, die gewohnt ordinär mit den Bingo-Kugeln spielte – und mit dem Publikum. Anschließend war Party in der HOSI Bar, im Monkey‘s. Und auch das Dark Eagle füllte sich mit zahlreichen Lederleuten auf beiden Etagen.

Samstag um 12 Uhr mittags war die HOSI Salzburg erneut Treffunkt, dieses Mal für die Queere Stadtführung. Die Teilnehmer erlebten bei spätsommerlichem Wetter einen gut aufgelegten Stadtführer Roman Forisch. Von der HOSI ging’s über die Andräkriche, ins Schloss Mirabell, natürlich über den Rosenhügel auf die andere Salzachseite in die Altstadt. Die Stimmung war gut, obwohl die letzte Nacht teilweise noch nicht so ganz verdaut war und die Sonne brannte. Roman bevorzugte schattige Plätze für seine unterhaltsamen Erklärungen. Es war sehr interessant und aufschlussreich. Wenn man sich zum Beispiel fragt, wie homosexuelles Leben in Salzburg vor 1200 Jahren wohl ausgesehen haben mag.

Um 17 Uhr startete die Parade am Hauptbahnhof. Beim Betreten des Areals vor dem Hauptbahnhof war sofort klar: Das wird eine größere Sache als letztes Jahr. Die Parade dürfte dieses Jahr einige Verkehrsteilnehmer Nerven gekostet haben. O-Busse, die stecken blieben wie auch Autofahrer, die sich an Kreuzungen ungefragt ca. 15 Minuten mit den Belangen der LGBT-Community auseinandersetzen durften. Das ist Sichtbarkeit.

Homophobie in Österreich

Im Verlauf der Parade wurden mit Zwischenstopps vor der Arbeiterkammer, am Schloss Mirabell und auf der Staatsbrücke die politischen Forderungen thematisiert, wie zum Beispiel das immer noch bestehende Blutspendeverbot für schwule Männer. Homophobie in Österreich wurde genauso benannt wie bedrohliche Entwicklungen für die LGBT-Community in osteuropäischen Staaten. Am Mirabellplatz stellte Singersongwriter Phil Luis seine Debütsingle vor. Und es wurde eine Gruppe von LGBT-AktivistInnen aus Georgien begrüßt. In Tiflis hatte der CSD in diesem Jahr Besorgnis erregende Bilder produziert.

Die Abschlusskundgebung des diesjährigen CSD fand am Unipark Nonntal statt. Bis das Programms so weit war, entwickelte sich eine ziemlich lange Polonaise. Malin Brandl bewegte sich gekonnt am Trapez vor der Kulisse der Festung Hohensalzburg. Schwester Greta von Breitenbach weihte die Schärpenträger im Namen des Ordens der Perpetuellen Indulgenz.

Nach der Kundgebung am Uniplatz war es nur ein sehr kurzer Weg zur ARGEkultur, wo um 21 Uhr die Pride Night mit DJane Petra Pan startete. Auch in den Szeneläden war gut Betrieb. Die beiden Fetischpartys im Dark Eagle waren wieder einmal ein sehr internationaler Treffpunkt und bis morgens geöffnet. Auch David vom Mexxx zeigt sich zufrieden. Er hatte für diese Nacht Sperrstundenverlängerung beantragt. Die Afterparty zur Pride Night lief so gut, dass die letzten Gäste erst am Sonntag Mittag nach Hause gingen. Oder wohin auch immer.

Am Sonntag fanden sich dann die Leder-Community, Gigi LaPajette in zivil, DJane Petra Pan mit Hund und viele andere zu einem sehr schönen Brunchangebot im Café am Kai ein – in Beachatmoshäre und bei bestem Wetter. Es ist ein gutes Zeichen, dass sich dieses Jahr in Salzburg so viele Menschen wie nie den Anliegen der LGBT-Community sichtbar angeschlossen haben. Das macht Mut. Und ist so nötig wie lange nicht. Deshalb: Happy Pride und let’s go on.

Veröffentlicht 6. September 2021
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