Museum der Moderne Salzburg

Queer* Fem* magaZINES

Die Ausstellung „Queer* Fem* magaZINES“ beleuchtet die Bedeutung von Zeitschriften, Zines und Comics für die Verbreitung und Sichtbarkeit feministischer und queerer Kunst sowie die Art und Weise, wie künstlerisches Publizieren queer-feministisch gedacht werden kann.

Linda Nochlin (1931-2017) war Professorin für moderne Kunst am Institut für Schöne Künste der New Yorker Universität. Sie beschäftigte sich mit und schrieb ausführlich über Fragen u.a. der Rolle der Geschlechter in der Kunstgeschichte. Ihr Aufsatz von 1971 „Warum hat es keine bedeutenden Künstlerinnen gegeben?“ war eine Abrechnung mit der Tatsache, dass Kunst seit altersher männlich gedacht wurde. „Die Frage der Gleichstellung der Frauen. Das ist keine Frage, wenn immer wieder die gleichen Argumente auftauchen. Wir sind nicht auf der Suche nach Antworten. Wir wollen Veränderung.“ so Linda Nochlin.

Sie machte in ihrem Essay deutlich, dass das Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen KünstlerInnen nicht auf individuelles Talent und „Genie“, sondern auf den lange Zeit geltenden strukturellen Ausschluss von Künstlerinnen aus Kunstakademien, Salons, Museen usw. zurückzuführen ist.

„Wir wollen Veränderung!“

Publiziert wurden diese Gedanken in kleinen Heftchen und Magazinen, teilweise ähnlich einer mit Papier, Schere und Kleber als Kopiervorlage hergestellten Schülerzeitung aus den 1970er Jahren. Diese Publikationen sind Gegenstand der Ausstellung im Rupertinum und dokumentieren ein interessantes Stück Zeitgeschichte und einen bis heute andauernden Diskurs, den diese Publikationen mit angestoßen haben.

Das „Heresies Collective“ zum Beispiel wurde 1976 von einer politisch motivierten Gruppe von KünstlerInnen und AktivistInnen in New York gegründet. Zwischen 1977 und 1993 gab das Kollektiv insgesamt 27 Ausgaben der feministischen Zeitschrift „HERESIES – A Feminist Publication on Art and Politics“ heraus. Thema einer Ausgabe war „Lesbian Art and Artists”.

Lesbische Kunst und Künstlerinnen

Die Ausstellung im Rupertinum zeigt zu diesem Thema etliche weitere Beispiele. Zum Beispiel Publikationen von LTTR (Lesbians To The Rescue) von 2002 bis 2006. LTTR diente als Sprachrohr für feministische und queere Communitys und steht für eine Kultur des kritischen Denkens. Auch hier werden Geschlechtlichkeit und Geschlechtsdifferenzen thematisiert.

Martina Kessel, Professorin für Neuere Geschichte und Geschlechtergeschichte an der Universität Bielefeld schrieb dazu 1995 „Aus kunsthistorischer und medientheoretischer Perspektive ist in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht worden, wie in und über Bilder und andere Medien der Kunst sowie durch Institutionen von Kunst und Kunstgeschichte Geschlechtlichkeit und Geschlechtsdifferenzen hergestellt und stabilisiert werden. Oft in Form von Macht- und Herrschaftsverhältnissen, in denen das, was als nicht-männlich gilt, untergeordnet und ausgegrenzt wird.“

Dieses Denken aufzubrechen, daran haben die Protagonistinnen dieser Ausstellung sicher gehörigen Anteil.
Peter Goebel

Queer* Fem* magaZINES, Museum der Moderne Salzburg, Standort Rupertinum, bis 4.06.2023
Rupertinum (Standort des Museums der Moderne in der Salzburger Altstadt)
Zu der Ausstellung gibt es bis 4.06.2023 begleitend mehrere Veranstaltungen.

Veröffentlicht 3. April 2023Aktualisiert 11. Juni 2024
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